… meiner Reise entlang der Westküste Australiens mit Conny und dem Campervan
31. März 2010
Heute sind wir in aller Frühe von Melbourne nach Perth geflogen und haben uns hier über blauen Himmel, strahlenden Sonnenschein und Sommerlaune gefreut.
Den Rest des Tages sind wir wegen der Zeitverschiebung (Perth ist Melbourne 3 Std. hinterher) und des frühen Fluges wie Zombies durch die recht überschaubare Innenstadt gewandelt. Morgen mieten wir einen Campervan und machen uns Richtung Norden auf: Dann geht das Abenteuer erst richtig los. Ich freu mich drauf!
2. April 2010
Gestern haben wir unseren schönen Campervan in einem Vorort von Perth abgeholt. Das dauerte mit Busfahrt und Wartezeit vor Ort einige Stunden, ebenso wie dich sich anschließende nervenaufreibende Suche nach einem Supermarkt, einem Schlafsack und schließlich der richtigen Highway-Auffahrt. Gegen 15 Uhr hatten wir es jedoch endlich geschafft: Wir waren auf der 1 gen Norden unterwegs und haben nach knappen 250km Cervantes und den dortigen Campingplatz am Meer erreicht. Weil die Sonne hier um 18 Uhr untergeht, lagen wir entsprechend früh im Bett bzw. im Campervan. Eine ruhige Nacht später gehts zum nur 17km entfernten Nambung National Park , wo wir uns die Pinnacles Desert anschauen, irre! Hier sehe ich auch zum ersten Mal Emus in freier Wildbahn – und fahre Campervan! Es ist einfacher als gedacht… :)
Entlang der Küste geht es bis nach Port Dension, wo wir am Surf-Beach zu Mittag essen – meine fangfrischen Prawns kamen aber leider aus der Mikrowelle. :( Den schönen historischen Orstkern mit den großen Feigenbäumen suchen wir zunächst vergebens, stolpern dann aber per Zufall drüber. Wir halten und trinken einen Latte in einem Café mit italienischem Flair, das von Asiaten betrieben wird. Mitten in Australien wohlgemerkt. Sachen gibts! Unsere Route führt uns weiter nach Geraldton, wo es nicht nur günstiges Benzin, sondern auch Handy-Empfang (eine Seltenheit an der Westküste), eine große Kathedrale und ein beeindruckendes Memorial für die HMAS Sydney gibt.
Unser Nachtlager schlagen wir schließlich in Northhampton, einer historischen “mining town” auf, wo uns die Campingplatzbetreiber winkend in Empfang nehmen. Hier gefällt es uns!
5. April 2010
Am nächsten Tag wollen wir weiter zum Kalbari National Park, verpassen aber zunächst die richtige Abzweigung – absichtlich, weil wir wissen wollen, was da Weißes am Horizont leuchtet. Bei näherer Betrachtung entpuppt sich dies als rosa Gewässer – wir haben die Pink Lakes von Port Gregory entdeckt! Nach einem kurzen Fotostopp geht es auf unsere ursprüngliche Route zurück, allerdings nicht allzu lange, denn Conny will Fürst Leonard von der “Hutt River Province” einen Besuch abstatten. Über eine rote Schotterpiste geht es 35km ins Landesinnere, fast wollen wir umkehren und die Suche nach dem Fürstentum aufgeben, als es schließlich am Horizont auftaucht: Die Farm im Nirgendwo mit skuriller Skulptur des Fürstenkopfes und einem Post- sowie Government-Office beeindruckt uns jedoch nicht sonderlich.
Daran kann auch die Erscheinung des Fürsten höchstpersönlich, einem alten sonnenverbrannten Mann mit hängendem Augenlid, nichts ändern. Immerhin werden unsere Pässe gestempelt und ein paar Fotos geschossen, bevor wir uns auf den holprigen Rückweg machen. Den Rest des Tages verbummeln wir in Kalbari, einem kleinen aber feinen Ort am Meer.
Am nächsten Tag, es ist Ostersonntag, gehen wir zur Feier des Tages frühstücken: Es gibt Scones mit hausgemachter Marmelade und Sahne. Lecker! Die Pelikanfütterung an Kalbaris Strandpromenade fällt – mangels Pelikanen – aus und so treten wir unseren Ausflug in den Kalbari National Park an. Der Weg zum Nature’s Window gleicht zunächst dem “Highway” zu Fürst Leonard, wird schließlich aber zu einer einzigen Sandpiste. Während unser tapferer Campervan sich schlingernd den Weg bahnt, fürchten wir um Achse und Co. – aber alles klappt prima, auch dank Connys Künsten am Lenkrad. Die Anstrengungen werden mit fantastischen Ausblicken auf rote Felslandschaften belohnt, die uns spontan an den Grand Canyon erinnern, obwohl wir da natürlich auch noch nicht waren.
Zwei Aussichtspunkte später haben wir uns ordentlich den Pelz verbrannt, was wir aber erst auf der anschließenden und ewig langen Fahrt nach Denham bemerken. Mit Sonnenuntergang kommen wir dort an und leisten uns – mangels Alternative – einen Stellplatz mit Stromanschluss, Ausblick aufs Scheißhaus inklusive, wer braucht schon Meerblick?
6. April 2010
Wir sind wieder “on the road” und zwar auf dem Weg nach Coral Bay. Während Conny das Steuer mal wieder fest im Griff hat, kann ich den gestrigen Tag noch einmal Revue passieren lassen. Wollte man ihm einen Namen geben, so könnte man ihn “Einsichten in die australische Fauna” nennen, aber: Nein, im Zoo waren wir nicht! Schon auf unserer abendlichen Fahrt nach Denham haben wir zwei riesige Adler gesehen, die sich an Roadkill (also überfahrenen Tieren) labten. Einmal abgesehen davon, dass wir diesen majestätischen Vögeln etwas mehr Stil bei der Auswahl ihres Dinners zugetraut hätten, war das schon ziemlich beeindruckend. Es wurde allerdings noch besser: Nach einer ereignislosen Nacht auf dem Campingplatz machten wir uns früh morgen auf den Weg nach Monkey Mia, wo es nicht etwa Affen, sondern Delphine zu bestaunen galt. Die “wilden” Tiere, die hier jeden Morgen gefüttert werden, waren sehr zutraulich und kamen den Füßen der zahlreich im Wasser stehenden Besucher recht nahe. Conny hatte sogar das Glück einen Delphin mit einem Fisch füttern zu dürfen – ein sicher einmaliges Erlebnis.
Einmalig war auch der Ausblick vom “Eagle Bluff”, einem Felsvorsprung, von dem aus man dank des kristallklaren Wassers Meerestiere in ihrem natürlichen Umfeld bestaunen konnte: Eine 5-Mann starke Manta-Rochen-Gang ist ihr Revier abgeschwommen und Haie haben ihr Bad im seichten Wasser sichtlich genossen. Jetzt wissen wir, woher die “Shark Bay” ihren Namen hat… Unser Nachtquartier haben wir dieses Mal in Hamlin Pool aufgeschlagen, wo es neben einem Campingplatz und Stromatoliten (Gesteinsformationen im Meer) auch noch eine alte Poststation von 1884 gibt. Unglaublich, dass es bereits vor so langer Zeit einen zivilisatorischen Vorposten in dieser heute noch abgelegenen Wildnis gegeben hat…
7. April 2010
Die gestrige Fahrt ins wirklich schöne Coral Bay verlief ohne weitere Vorkommnisse, wenn man einmal davon absieht, dass es unser Klappervan auf den letzten Tropfen Benzin zum Tankstopp nach Carnavon geschafft hat. Als sich der Anzeiger bereits 40km vor dem Ort gefährlich dem “E” für “Empty” näherte, sahen wir uns schon die Aral-Werbung aus den 90ern nachspielen: Zu fuß mit dem Tankkanister in der Hand ins nächste Ort – immer an der Straße entlang und den hämischen Blicken der vorbeifahrenden Australien ausgesetzt. Aber es ist ja noch mal alles gut gegangen. Viele Kilometer später kamen wir endlich in Coral Bay an, ergatterten den letzten Stellplatz auf dem Campingplatz (gleich drei Ameisenhighways inklusive) und machten uns direkt auf zum weißen Strand und türkisblauem Wasser. Schön, dass wir hier ein paar Tage bleiben…
8. April 2010
Heute stand das absolute Highlight unserer Zeit in Coral Bay an: eine 6-stündige Boots- und Schnorcheltour auf der Coral Breeze. Pünktlich um 9 stechen wir in See. Das Wetter ist traumhaft, die Sonne strahlt vom blauen Himmel, keine Wolke ist zu sehen, zum Glück sorgt der Fahrtwind für etwas Abkühlung.
Wir wissen, dass die Sonne trotzdem brennt und legen alle 30 Minuten eine dicke Schicht Sunblocker nach. Ansonsten genießen wir die Aussicht auf türkisblaues Meer, rostrote Landschaften und die Gesellschaft von Skipper “Snowy”, dessen Vorfahren angeblich aus Deutschland kamen und Schneeball hießen – jaja, schon klar! Immerhin macht er uns auf einige vorbeischwimmende Schildkröten und sogar einen Delphin aufmerksam, die ihren morgendlichen Ausflug genauso zu genießen scheinen wie wir. Noch mehr Meerestiere bekommen wir bei unseren zwei Schnorchelgängen im Ningalo Reef zu Gesicht. Neben allerlei bunten Fischen sehen wir auch Seegurken, Seesterne und sogar einen gelb-gepunkteten Rochen.
Um einen wunderschönen Tag in unseren Urlaubserinnerungen reicher, brechen wir gegen Abend auf. Wir werden auf Anraten von Nadine, einer Australierin, die wir auf dem Campingplatz kennengelernt haben, Free Camping ausprobieren. Etwa 60km südliche von Coral Bay fahren wir an einem Rastplatz raus, an dem auch schon ein paar andere Camper ihr Nachtquartier aufgeschlagen haben. Wir mummeln uns in unseren Van und schlafen mit einem fantastischen Blick auf die Sterne ein. Die Nacht überstehen wir, trotz Albträumen, tatsächlich schadlos! Mal abgesehen von der stinkenden Buschtoilette, die uns bereits auf eine Nähe von 10m Brechreiz verursachte, war unser Free Camping Abenteuer ein voller Erfolg.
11. April 2010
Nach zwei Tagen Fahrt hat uns Perth wieder – Gott sei Dank, denn zwischenzeitlich haben wir nicht mehr daran geglaubt, dass es unsere Klapperkiste bis hierhin schafft. Dass unser Vehikel ungeheuren Spritdurst hat, war bekannt, aber als wir Carnavon auf dem Rückweg zum zweiten Mal passierten, gesellte sich dazu eine ungeheure Gier nach Öl. Drei Liter mussten wir in die Kiste nachschütten, bevor es weiterging. In Northhampton werden wir von unseren lieben Campingplatzbetreibern wieder freundlich begrüßt, auch andere (männliche) Einheimische entpuppen sich als äußerst zutraulich: Auf unserem spätabendlichen Weg zur Telefonzelle fragten uns einige ältere Männer vom Balkon des nächstbesten Hotels, wo denn unsere boyfriends wären. Ganz blöder Anmachspruch!
Am nächsten Tag ging es weiter, allerdings mit Anlaufschwierigkeiten, da sich unser liebes Auto zunächst weigerte loszufahren. Eigentlich wollten wir nach New Norcia, um dort Klosteranlagen im spanischen Stil zu bestaunen, aber als der Camper in Geraldton wieder einen Liter Öl geschluckt hatte, war klar: Nix wie zurück nach Perth und die Kiste abgeben! Die Dame, die wir von der Vermietung anrufen, entpuppte sich allerdings als äußerst unkooperativ (“Ach, die Mängel haben sie erst jetzt nach 8 Tagen festgestellt?”) und als wir es schließlich doch kurz vor 4 zum Depot der Vermietung in Perth geschafft hatten, hatte der Laden schon zu – offizieller Ladenschluss ist um 4. Wenn die mit der Wartung ihrer Vehikel auch so pünktlich und gründlich wären, hätten wir sicher kein Problem…
Also gings mit dem Auto weiter nach Fremantle, 17km südlich von Perth, wo es viele historische Gebäude und lauter tolle Restaurants gibt. Dies bemerkten wir jedoch erst, nachdem wir beim Dönermann in Gesellschaft betrunkener Obdachloser diniert hatten. Da es sich als unmöglich erwies, einen kostenfreien Park – geschweige denn Schlafplatz in Freemantle zu finden, sind wir ins nächstbeste Wohngebiet gefahren und haben auf dem Parkplatz einer Baptistenkirche genächtigt. Kirchen geben doch Asyl, oder? :-) Heute morgen haben wir uns schließlich zu MacDonalds begeben – hier gabs erst mal einen Kaffee und kostenloses Internet! Jetzt liegen wir an einem wirklich schönen Stadtstrand in Perth und dösen ein bißchen, bevor wir uns wieder einmal die Frage des Tages stellen werden: Wo schlafen wir heute mit dem Klappervan? Im Übrigen unsere letzte Nacht im Auto…
12. April 2010
Unsere letzte Nacht im Auto haben wir ausfallen lassen. Nach unserem Morgen am Strand sind wir noch einmal nach Fremantle gefahren, hier hat es uns gestern einfach zu gut gefallen.
Noch einmal sind wir durchs Städtchen gebummelt und haben die Markets besucht. Da sich die Suche nach einem Park- bzw. Schlafplatz mal wieder als erfolglos erwies, haben wir den Camper kurzerhand vor einem Hostel abgestellt und uns dort eingebucht. Dann gings zum Italiener, für mich gabs Spaghettie mit Knoblauch-Garnelen, sooo gut! Zum Desert habe ich mir in der Bar nebenan einen unverschämt guten Schokoladen-Cocktail gegönnt und dann gings auch schon wieder ab ins Bett.
Zum aktuellen Geschehen: Wir sind in Perth, es ist nass-kalt und wir verbarrikadieren uns in unserem Hostel, dass von zwei alten Griechen betrieben wird. Ein bißchen seltsam ist es hier schon, aber auch sauber und schließlich gab es hier auch einen Parkplatz für unsere Klapperkiste, die wir nach unserer Ankunft erst einmal ausgeräumt und gesäubert haben. Dann gings, mal wieder, zur Vermietung, wo wir vom Auto Abschied genommen haben – endlich! Den Rest des Tages verbringen wir im Hostel, wir kochen, waschen und surfen ausgiebig im Internet. Morgen geht’s in Outback, ich freu mich drauf!