Lange Zeit habt ihr hier von mir nichts mehr gehört und eine Freundin schrieb schon eine e-mail mit dem Betreff “Von Krokodilen gefressen?”. Aber ich kann euch beruhigen, wie so oft waren auch bei mir keine Neuigkeiten gute Neuigkeiten. Soll heißen: Ich habe so viele schöne Orte gesehen und neue Menschen getroffen, dass mir die Zeit zum bloggen gefehlt hat. Mittlerweile bin ich wieder “zu Hause”, das heißt bei meiner Gastmama Jennie in Melbourne, angekommen und will nun endlich berichten, was in den letzten Wochen so passiert ist. Und das war eine ganze Menge: Nachdem Judy mich in Cairns verlassen hat, habe ich noch einen weiteren Tag in der Stadt verbracht. Um Endeffekt war Cairns genau so, wie es mir viele Leute prophezeit hatten: Recht überschaubaur und, trotz einem großen Schwimmbad direkt am Meer, ziemlich langweilig. Allerdings habe ich hier zum ersten Mal vermehrt Aboriginees gesehen und weiß jetzt, woher die schlechte Meinung, die viele Australier von ihnen haben, stammt. Viele der Ureinwohner, die ich gesehen habe, waren obdachlos und somit schlecht gekleidet, dreckig und meistens auch sehr betrunken. Das ist umso trauriger, wenn man bedenkt, wie gut es den Aboriginees vor der Invasion der Europäer einmal ging und wie sehr sie es verstanden haben, im Einklang mit der Natur zu leben. Auf meiner Tour in den Daintree Regenwald, dem wohl ältesten noch bestehenden Wald seiner Art, ist mir dies noch einmal bewusst geworden: Kaum eine Pflanze wurde von den Ureinwohnern nicht zur Herstellung von Lebensmitteln, Medizin oder überlebenswichtigen Gegenständen genutzt. Absolut faszinierend!
Neben dem Daintree Regenwald gibt es auch noch einen Daintree River. Auf diesem haben wir eine Bootsfahrt unternommen und haben nach einem der 700 Krokodile, die im Fluss leben, Ausschau gehalten. Zwei kleine haben wir tatsächlich auch gesehen, aber die waren nichts im Vergleich zu ihren bis zu 6 Metern langen Spielkameraden, die sonst hier so rumschwimmen. Ich bin ganz froh, dass wir von denen keins zu Gesicht bekommen haben, mir war auch so schon etwas flau in der Magengegend. Zumal überall Warnschilder stehen: Vorsicht Krokodil, nicht an den Wasserrand gehen! So auch am Cape Tribulation, an dem ich zusammen mit Jess, einer Kanadierin, entlang spaziert bin (siehe oben). Es war trotzdem traumhaft schön!
Am nächsten Tag stand dann Aktion auf dem Programm: Dschungel-Surfing lautete die Devise! Dabei entdeckt man den Regenwald von oben, indem man sich, je nach Streckenabschnitt, in einer Höhe von 14 – 25 Metern, wie Tarzan von Baum zu Baum schwingt. Theoretisch jedenfalls. ;-) Praktisch trugen wir Kletterausrüstung (inklusive äußerst attraktivem Kopfschmuck) und glitten, eingehängt an Stahlseilen, von Baum zu Baum.
Es war ein Riesenspaß und lehrreich noch dazu, weil unsere Führer interessante Dinge zu berichten wussten. So tragen beispielsweise die grünen Ameisen in ihrem Hinterteil so viel Vitamin C spazieren, wie ein Mensch am Tag braucht. Deshalb schmecken sie auch ein bisschen wie Zitrone. Nein, ich habe keine Ameise gegessen! Ich habe nur an ihrem Hinterteil geleckt. :-)
Den Rückweg nach Cairns, von wo aus einige Tage später mein Flieger nach Adelaide starten sollte, habe ich in Port Douglas unterbrochen. Hier, in diesem kleinen, aber feinen Ferienort, bin ich gleich 3 Tage lang geblieben. Ich bin über den Handwerkermarkt geschlendert, habe mir hier einen Ring und da ein Fußkettchen gekauft, habe fangfrische Garnelen gegessen (und so meine Fischphobie überwunden) und meinen Füßen nach 4 Wochen harter Arbeit schließlich auch noch eine Spa-Behandlung gegönnt. Erholung muss ja auch mal sein. ;-)
Das absolute Highlight meines Aufenthaltes in Port Douglas war jedoch mein Ausflug zu den Low Isles, zwei kleinen, flachen Inseln, die irgendwo auf dem Seeweg zwischen Port Douglas und dem Great Barrier Reef liegen. Die See war an diesem Tag ausgesprochen rau und die Überfahrt so abenteuerlich, dass ich bereits von oben bis unten nass war als wir an den Low Isles ankamen. Denn jedoch klarte der Himmel auf und das Schnorcheln (dank der Quallen wieder in albernem Schutzanzug, ihr dürft ruhig lachen…) entschädigte mich für alles.
Die Unterwasserwelt fasziniert mich immer wieder aufs Neue: schillernde Fische, riesige Muscheln, Korallen und endlich auch: Meeresschildkröten. Riesige Tiere, die elegant durchs Wasser gleiten, vollkommen unbeeindruckt von den Besuchern in alberner Montur. Ein einmaliges Erlebnis, das meinen Tag perfekt gemacht hat!
Wieder zurück in Cairns habe ich eine Judy-Gedenk-Nacht eingelegt: Auch ich musste nun um 6 Uhr morgens einen Flieger bekommen und um der Gefahr des Verschlafens zu entgehen, habe ich einfach durchgemacht. Zunächst ging es wieder ins Kino, wo ich mir “It’s complicated” mit Meryl Streep und Alec Baldwin angesehen habe. Ganz nett, man hat aber nichts verpasst, wenn man den Film nicht gesehen hat. Dann gings ins Hostel: e-mails schreiben und Klatschzeitschriften lesen. Um 3 Uhr kam der Shuttle-Bus zum Flughafen, um 4 konnte ich einchecken und um 5 habe ich gefrühstückt. Den Start um 6 habe ich verpennt, allerdings im Flugzeug. ;-)