Immer wieder werde ich gefragt, was ich im Goethe Institut eigentlich genau mache. Wenn ich das nur selber wüsste… :-) Deshalb dachte ich, es ist an der Zeit euch mal an meinem Arbeitsalltag, aber auch den Highlights teilhaben zu lassen.
Ein “normaler” Arbeitstag beginnt für mich gegen 7 Uhr: Es heißt aufstehen, sich Büro-fertig machen und frühstücken. Um 8:10 Uhr fährt der Zug Richtung Stadtzentrum los, dort komme ich meistens gegen 8:40 Uhr an und muss dann in eine Tram umsteigen. In der Regel ist das keine schöne Sache, weil nämlich nicht nur ich, sondern – wie der Trierer so schön sagen würde – Milljunen andere Leute auch zur Arbeit wollen. Es wird also gedrängelt und geschoben, was das Zeug hält. Manchmal ist das Umsteigen aber auch wirklich amüsant. Es gibt nämlich an dieser Haltestelle immer mehrere Tramangestellte, die ankündigen wohin die Straßenbahnen fahren und dafür sorgen, dass einige Passagiere erst aussteigen dürfen, bevor die anderen sich hinein drängeln. Das Amüsante an der Sache: Manchmal fallen dabei Kommentare wie “Auf Leute, quetscht euch rein!” oder auch “Diese Tram fährt die St. Kilda Road runter, sie hält an den Botanischen Gärten.”, woraufhin ein anderer Tramangestellter entgegnete: “Ja, ganz toll. Wer zum Teufel will da um viertel vor 9 morgens hin?!” Da kann ich mir ein Schmunzeln doch nur schwer verkneifen. :-)
Ich nehme auch eine der Trams, die die St. Kilda Road hinunterfährt, denn genau da liegt das Goethe Institut und zwar im ersten Stock eines recht schicken Gebäudes.
Auch recht schick sieht der Eingangsbereich des Goethe Instituts aus. Hinter der Rezeption sitzt normalerweise Hugh, unser einziger Australier im Büro. Er tritt seinen Dienst jedoch erst eine Stunde später als alle anderen an, weshalb es eine der Aufgaben der Praktikanten ist, in der Zwischenzeit den Rezeptionsdienst zu übernehmen. Das heißt also: ans Telefon gehen, Fragen beantworten oder Telefonate durchstellen. Die meiste Zeit sitzen wir Praktikanten in eigenen Büros und das der Sprachabteilung ist gleich rechts neben der Rezeption und dient abends, wenn die Deutschkurse stattfinden, auch als Lehrerzimmer.
Ich arbeite meistens am PC am Fenster und habe Ausblick auf eine – wenns gut läuft – sonnenbeschienene Backsteinwand. Also keine Aussicht, die einen vom Arbeiten abhalten könnte… Hier begebe ich mich dann entweder auf die Internetrecherche von Adressen oder bestimmten Gegenständen (wie Deutschlandfähnchen zum Open Day am 9. November) und Unterrichtsmaterialien (so z.B. ein Ballermannsong auf you tube zum Unterrichtsthema “Deutsche im Urlaub”). Ansonsten werte ich des Öfteren Evaluationsbögen aus, kopiere auch mal das ein oder andere für meine Chefin oder bereite Catch-up Klassen vor. Das sind Unterrichtsstunden, die Sprachkursteilnehmer bekommen, wenn sie angekündigt im Kurs fehlen. Dann versuchen wir ihnen die wichtigsten Unterrichtsinhalte so gut es eben geht beizubringen. Ich habe schon mehrere Catch-up Klassen vorbereiten und halten müssen und fühle mich damit mal mehr, mal weniger wohl.
So sieht eigentlich mein Arbeitsalltag aus, aber hin und wieder gibt es echte Highlights, wie z.B. die Schulungen für die Lehrer, an denen auch wir Praktikanten aus der “Sprachabteilung” teilnehmen dürfen. Ich bin jetzt bereits bestens über die Anwendung von SmartBoards und Podcasts im Unterricht informiert – zumindest theoretisch. :-) Ein anderes Highlight, bei dem ich assistieren durfte, war das Schulfilmfestival, das von der Abteilung “Bildungskooperation” initiiert war. Dabei wurden Schüler, die Deutsch lernen, dazu aufgefordert Kurzfilme auf Deutsch zum Thema “Mauern – Grenzen – Horizonte” zu drehen. 41 Filme wurden eingereicht, 23 davon haben wir im acmi (Australien Centre of the Moving Image) gezeigt und letztendlich wurden jeweils 3 Preisträger in den Klassen Grundschule, Mittelstufe, Oberstufe gewählt.
Die Praktikanten, hier neben mir Julia und Laura im Bild, haben bei dieser Veranstaltung Tüten mit Werbematerial verteilt, Fotos geschossen und Interviews geführt. Es war eine wirklich schöne Veranstaltung, mit zum Teil sehr originellen und guten Kurzfilmen. Einer, der allen Zuschauern gut gefallen hat, aber erstaunlicher Weise keinen Preis gewonnen hat, ist der von der Grundschule in Halls Gap (300 Einwohner Ort in den Grampians). Ich wollte ihn eigentlich hier verlinken, aber wie es scheint ist er auf der Seite des Goethe Instituts nicht mehr verfügbar. Schade! So musst ihr mir einfach glauben, dass der Film ein echtes Highlight war! :-)
So, jetzt seid ihr alle über meine Tätigkeiten im Goethe Institut informiert. Ich habe bestimmt das ein oder andere vergessen. Aber das kann ich dann ja beim nächsten Eintrag hinzufügen, falls es bis dahin nicht schon Spannenderes zu berichten gibt.
Liebe liebe Grüße,
